Vorlesungen im SS 2017 an der LMU:

"Liebe, Lust und Leidenschaft; Sexualität, Erotik und Liebe in der altindischen Kultur"

Kommentierung: Bereits im Veda finden sich bemerkenswerte Aussagen und Konzepte zum Geschlechterverhältnis, zu Sexualität und Fortpflanzung. Während die Philosophie der Upanishaden eine gewisse Leib- und Frauenfeindlichkeit entwirft und die Enthaltsamkeit als Bedingung für Erkenntnis und Erlösung bestimmt, feiert die weltliche Literatur, die Dichtung Kalidasas etwa, aber auch die Epik, die erotische Liebe auf das Höchste. Selbst die Götter, so Shiva und Parvati, sind dem Verlangen unterworfen; diese Verbindung von Göttlichkeit und Sexualität gibt es nur in Indien. Indien ist auch das Mutterland der Sexualwissenschaft und Erotologie: Das Kamasutra, das Lehrbuch der Erotik, ist ein zeitloser Weltbestseller..Die Vielfältigkeit der "Liebeskultur" soll das Thema der Vorlesung sein.

Freitag 10-12 Uhr; der Raum ist dem Vorlesungsverzeichnis zu entnehmen.

 

"Indomanie, Hinduphobie und Eurozentrismus: Kann der Westen Indien verstehen?"

Kommentierung: Seit einigen Jahren kritisieren vor allem in den USA lebende Hindus und indische Intellektuelle die Interpretation und die Konstruktionen des "Hinduismus" durch westliche, vor allem amerikanische Indologen. Rajiv Malhotra und Vamsee Juluri etwa beklagen Respektlosigkeit und mangelnde Kenntnisse amerikanischer Südasienforscher, in deren Publikationen indische Götter wie Ganesha oder berühmte Persönlichkeiten wie Ramakrishna Paramahamsa mittels psychoanalytischer Methoden "gedeutet", sexualisiert, lächerlich gemacht oder monströs bzw. obszön gezeichnet werden. Angeprangert wird von diesen Intellektuellen indischer Herkunft die in ihren Augen selbstherrlich die Deutungsmacht beanspruchende westliche indologische "Akademia", der "Hinduphobia" und "Hindu-bashing"und eine teils bewusste, teils unbewusst wirkende Ablehnung der indischen Kultur bei gleichzeitiger Überhöhung der christlich-jüdischen Tradition unterstellt werden. Nach Malhotra und Juluri geht es darum, dass Hindus die Deutungshoheit über den Hinduismus zurückgewinnen und eigene Interpretationen und Gegenentwürfe vorstellen; Juluris Buch "Rearming Hinduism" ("The Return of Indian Intelligence") ist ein wichtiger Beitrag dazu. Auch solle dem "westlichen Universalismus" ein autonomes "Being different" (Titel eines Buches Malhotras) entgegen gestellt werden; Indien sei "anders" und solle/müsse dies bleiben. Die Vorlesung möchte die Debatte, die Diskurse, die Anklagen, die Kontrahenten und die literarischen Konzepte beider Seiten vorstellen und der Frage nachgehen, ob Indien für westliche Menschen überhaupt "verstehbar" ist und wenn, wie.

Freitag, 12-14 Uhr, der Raum ist dem Vorlesungsverzeichnis zu entnehmen.

 

 

Mishima Yukio

Premierministerin Indiens